Um 1300 erbluhte Zurich als Zentrum der Buchkunst. Ausgangspunkt dieses Buchs ist eine Serie von Bildinitialen aus einem Antiphonar aus dem Dominikanerinnenkonvent von Oetenbach in Zurich. Die auf die Verehrung des Evangelisten Johannes ausgerichtete Ikonographie, interpretierbar uber Predigten der fur Oetenbach zustandigen Zurcher Dominikaner, gilt als seltenes Zeugnis der Zurcher Buchkunst zur Zeit der Manessischen Liederhandschrift. Im zweiten Teil stehen die Bildminiaturen des Minnemeisters im Mittelpunkt, der wohl identisch ist mit dem 1. Nachtragsmaler der Manessischen Liederhandschrift. Mit dem Agnes-Zyklus im Antiphonar St. Georgen 5 (Karlsruhe) und einem Katharinen-Vita-Fragment (Frauenfeld) erweist er sich als origineller Kunstler, der fur seine Bilderfindungen Motive der profanen Minne ins Sakrale der Christusminne uberfuhrte, die bis ins folgende Jahrhundert nachhallten.>